Gesundheits-Apps: Wer nutzt sie? Und was denken die Bürger?

Welche Relevanz haben Gesundheits-Apps? Wer nutzt sie? Wo liegen die Potentiale, wo die Herausforderungen? Derzeit sprechen wir bei verschiedenen Veranstaltungen zu den Entwicklungslinien bei Digital-Health-Anwendungen für Bürger – so auch beim AOK-Tag 2016 in dieser Woche. Aus diesem Anlass haben wir noch einmal in die Daten des Gesundheitsmonitors geschaut – und die Ergebnisse analysiert, die Auskunft über die Nutzung von Gesundheits-Apps durch die Bevölkerung geben. Die Daten – erhoben im Sommer 2015 – zeigen: Bereits 29 Prozent der Deutschen haben eine Gesundheits-App auf ihrem Smartphone installiert. Mehr als jeder Dritte würde diese zum Selbstmanagement bei einer Erkrankung nutzen wollen. Und jeder Fünfte würde es begrüßen, wenn er seine Gesundheitsdaten, die bei Ärzten gespeicherten sind, auf seinem Smartphone hätte. Eine nicht unerhebliche Rolle spielen für die Bürger aber auch die Themen Datensicherheit und Datenschutz.

Digitale Technologien verändern unser Gesundheitshandeln. Neben dem Einfluss auf die Arzt-Patienten-Beziehung, auf den wir kürzlich in unserem Blog eingegangen sind, haben digitale Lösungen ein deutliches Potenzial, Patienten in ihrer Rolle zu stärken. Die Patienten – so die Hoffnung – werden künftig aktiver und können autonomer agieren. Ein entscheidendes Werkzeug ist hierbei das Smartphone in ihren Händen. Ob als digitaler Helfer bei der Medikamenten-Erinnerung oder als Informationsangebot vor dem nächsten Arztbesuch – Patienten können dank der neuen Technologien eigenständig und aktiv an ihrer Gesundheit mitwirken. Mittlerweile buhlen mehr als 100.000 sogenannte Gesundheits-Apps – je nach Zählweise kursieren auch deutlich höhere Schätzungen zum Angebot in den App-Stores – um die Gunst der Patienten. Im Einklang mit dem wachsenden Angebot entwickelt sich auch die Nachfrage dynamisch.

Zahl der auf Smartphones installierten Gesundheits-Apps entwickelt sich dynamisch

Das bestätigen auch die Daten des Gesundheitsmonitors. Im vergangenen Jahr haben wir die Bevölkerung zum Thema „Gesundheits-Apps“ befragt. Das Ergebnis: Bereits 29 Prozent haben eine Gesundheits-App auf ihrem Smartphone installiert. Noch 2014 lag diese Zahl bei 10 Prozent. Innerhalb nur eines Jahres hat der Anteil um 19 Prozentpunkte zugenommen und sich somit fast verdreifacht – eine dynamische Entwicklung. Zu berücksichtigen ist bei diesen Zahlen, dass viele Hersteller bereits entsprechende Anwendungen auf den Geräten vorinstalliert haben – wie beispielsweise Apple mit dem sogenannten „HealthKit“. Nicht zu leugnen ist jedoch der Trend, der sich abzeichnet: Gesundheits-Apps kommen beim Bürger an und werden genutzt. Wie unsere Befragungsdaten zeigen, sind das überwiegend Trainings- und Fitness-Apps – ganz klassisch der Schrittzähler. Vereinzelt befinden sich auch Apps zur Ernährung, z. B. Kalorienzähler, und Info-Apps zu Gesundheitsthemen auf den Geräten der Bürger. Noch deutlich unterrepräsentiert sind Anwendungen mit direkterem medizinischen Bezug – eine Bestätigung unserer Analyse des Marktangebots, die wir im vergangenen Jahr vorgenommen haben.

Entwicklung zeigt sich vor allem bei Jüngeren – aber nicht nur

Was keinen wundern dürfte: dieser Trend zeichnet sich vor allem bei den Jüngeren ab. Bereits 42 Prozent in der Altersgruppe der 18-39-Jährigen haben Gesundheits-Apps auf ihrem Smartphone installiert. Doch auch in den älteren Jahrgängen sollte der Anteil nicht unterschätzt werden. Bei den über 60-Jährigen sind es immerhin 17 Prozent, die eine Gesundheits-App haben bzw. auch nutzen.

Vor allem – aber nicht nur – Jüngere nutzen Gesundheits-Apps

Nutzung hängt ab von formaler Bildung und sozialem Status

Doch nicht nur beim Alter zeigen sich Unterschiede in den Nutzungsraten. Die Befragungsdaten zeigen: Je höher der Grad der formalen Bildung und je höher der soziale Status, desto häufiger werden Gesundheits-Apps genutzt. Während die Nutzungsraten bei Bürgern mit einem Haupt- bzw. Volksschulabschluss bei 18 Prozent liegen, geben bereits 38 Prozent der Bürger mit einem hohen formalen Bildungsgrad (Fach-Hochschulreife ohne/mit Studium) an, Gesundheits-Apps auf dem Smartphone installiert zu haben oder auch zu nutzen. Eine ähnliche Verteilung zeigt sich, wenn man auf den sozioökonomischen Status schaut. Gesundheits-Apps zahlen also noch nicht sichtbar auf eine Erhöhung der Teilhabechancen ein, obwohl genau hierin – in der Förderung einer breiten Teilhabe durch digitale Medien – aus Public-Health-Sicht eine Chance läge. Keine Unterschiede zeigen sich hingegen beim Vergleich der Nutzung durch Chroniker und Nicht-Chroniker. Auch hier bestätigt sich, dass der Markt sich anscheinend noch nicht (primär) an den epidemiologischen Bedarfen ausrichtet. Denn gerade im Selbstmanagement von chronisch Kranken könnten Apps ihre Potenziale entfalten.

Ein Drittel der Bürger würde selbst gemessene Gesundheitsdaten auf dem Smartphone speichern

Die Daten zeigen auch: Mehr als jeder Dritte Bürger (36 Prozent) könnte sich bereits vorstellen, seine selbst gemessenen Daten – wie beispielsweise Blutdruck, Blutzucker – auf dem Smartphone oder Tablet zu speichern. Zudem wäre bereits jeder Fünfte daran interessiert, seine eigenen, bei Ärzten gespeicherten medizinischen Daten – etwa frühere Erkrankungen, Medikamentenunverträglichkeiten oder die Blutgruppe – dauerhaft auf dem Smartphone zur Verfügung zu haben. Zusätzlich 23 Prozent wären vielleicht daran interessiert. Hierbei dürfte natürlich die grundsätzliche Affinität zu digitalen Technologien eine Rolle spie-len: Bürger, die es bereits gewohnt sind, in anderen Bereichen online zu agieren und dem grundsätzlich offener gegenüber stehen, sehen auch im Gesundheitsbereich ähnliche Vorteile und wollen von diesen profitieren.

Datensicherheit und Datenschutz sind für die Bevölkerung von Relevanz

Die Bürger haben aber nicht nur ein Interesse an den eigenen Gesundheitsdaten, sie sind auch sensibel für die Themen Datensicherheit und Datenschutz. Das Vertrauen in die Datensicherheit auf dem Smartphone scheint eher gering. Gerade einmal 18 Prozent meinen, dass die Speicherung von Daten auf ihrem Smartphone (eher) sicher ist. Auch nehmen 82 Prozent an, dass Wirtschaftsunternehmen ein Interesse an ihren Gesundheitsdaten haben könnten. Dass dieses Interesse auch Krankenversicherungen haben könnten, sehen 83 Prozent. Interessant – auch mit Blick auf die Debatte um Boni von Krankenkassen: Die Bereitschaft, der Kasse Zugriff auf die eigenen Daten zu gewähren, steigt an, wenn finanzielle Prämien winken. 16 Prozent wären grundsätzlich bereit dies zu tun, 26 Prozent mit einem finanziellen Bonus.

Eine grundsätzliche Sensibilität für das Thema Datenschutz zeigt sich auch bei der Frage nach der Befassung mit den Datenschutz-Bestimmungen von Apps. Entgegen der landläufigen Meinung geben immerhin 26 Prozent an, immer oder meistens die App-Berechtigungen vollständig durchzulesen, bevor sie eine App installieren, zusätzlich 25 Prozent tun dies manchmal. Diese Zahlen haben auch uns erstaunt. Insgesamt zeigt sich, dass den Bürgern die Hoheit über die eigenen Gesundheitsdaten wichtig ist – eine Ableitung, die wir auch bei unserer Studie zur elektronischen Gesundheitskarte getroffen haben. Ein Thema, an dem weiter gearbeitet werden muss, um das Vertrauen in Apps zu fördern und die Potenziale auszuschöpfen – durch grundsätzliche Aufklärung und Information, aber auch durch eine transparente und verständliche Kommunikation der Datenflüsse und Maßnahmen zum Datenschutz und zur Datensicherheit der jeweiligen Anwendung.

Was muss also grundsätzlich noch getan werden, damit Gesundheits-Apps den Patienten tatsächlich in seiner Rolle stärken? Die Daten aus dem Gesundheitsmonitor zeigen einzelne Aufgaben wie eine Erhöhung der Teilhabechancen oder eben das Thema Datensouveränität. Die Bürger stehen einem wachsenden Angebot an digitalen Technologien gegenüber und nutzen diese in Teilen schon. Doch wo sich die Spreu vom Weizen trennt, ist noch undurchsichtig. Das Gesundheitssystem hat noch keinen Modus gefunden, systematisch mit diesen neuen Anwendungen umzugehen. Wir selbst arbeiten gerade an Lösungsvorschlägen,wie sich Gesundheits-Apps mit echten Potenzialen für die Gesundheitsversorgung erkennen lassen und schneller für die Versorgung nutzbar gemacht werden könnten. Ganz grundsätzlich gilt es, die Potenziale von Gesundheits-Apps noch systematischer auszuschöpfen. Dazu unsere Präsentation beim AOK-Tag:

 


 


Die Daten wurden im Rahmen des Gesundheitsmonitors 2016 erhoben. An der Bevölkerungsbefragung haben 1.598 Männer und Frauen zwischen 18 und 79 Jahren im Befragungszeitraum Juni bis Juli 2015 teilgenommen. Die Ergebnisse sind repräsentativ nach Geschlecht, Alter sowie Region. Es wurden in dieser Auswertung nur die Antworten der Bürger berücksichtigt, die angegeben haben auch ein Smartphone zu besitzen. Insgesamt waren dies 56 Prozent der Bürger. Weitere Infos zum Gesundheitsmonitor: gesundheitsmonitor.de

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Kommentare

  1. / von Jörg

    Den Ergebnissen der Analyse kann ich nur zustimmen – vereinfacht und verkürzt in meinen Worten: in den allermeisten Fällen handeln die verwendeten „Gesundheits-Apps“ von Fitness (Sport) und Ernährung. Und: meist sind es jüngere, gesunde Menschen, die diese Gesundheits-Apps nutzen und nicht die, die den größten Nutzen davon hätten: chronisch kranke und ältere Patienten.

    Nach meiner Meinung liegt das ganz wesentlich auch an den oft nicht bedienungsfreundlichen Apps und Geräten, das gilt für die initiale Einrichtung ebenso wie für die regelmäßige Verwendung. Am eigenen Beispiel versuche ich deshalb meine Erfahrungen im Blog http://www.Meine-Gesundheitshelfer.Online weiterzugeben. Frei nach dem Motto: „steter (kleiner) Tropfen höhlt den Stein“ oder „als Vorbild vorangehen ändert die Situation zumindest in kleinen Schritten“.

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