Dr. Ralf Stroop stellt Mobile Retter in Gütersloh vor

Mobile Retter: Eine App, die Leben rettet

Digitale Innovationen können bestehende Prozesse optimieren und ergänzen – in der Gesundheitsversorgung bestenfalls mit dem Ergebnis, das Leben eines Patienten mit guter Lebensqualität zu verlängern. Dr. Ralf Stroop und sein Team berichten bei einem Besuch in der Bertelsmann Stiftung, wie sie das mit dem gemeinnützigen „Mobile Retter e.V.“ erreicht haben.

Nur rund sieben Prozent aller Menschen mit einem Herz-Kreislauf-Stillstand finden nach dem Ereignis wieder in ein annährend normales Leben zurück. Dreimal so viele könnten es sein, wenn qualifizierte Erste Hilfe auch nur wenige Minuten früher geleistet würde – denn die Überlebenswahrscheinlichkeit sinkt in einer solchen Situation mit jeder Minute um zehn Prozent.

Vier statt neun Minuten bis zum Einsatzort

Die Idee von Ralf Stroop und seinen Kollegen: Dass sich in der Nähe des Notfallorts qualifizierte Ersthelfer wie Sanitäter, Feuerwehrleute, Ärzte oder Krankenpflegepersonal befinden, ist sehr wahrscheinlich – denn diese machen rund 2 bis 3 Prozent der Bevölkerung aus. Könnte die Leitstelle im Notfall zusätzlich zum Rettungsdienst auch diese Helfer alarmieren, wäre die Rettungskette perfekt ergänzt.

Mobile Retter: So funktioniert die Alarmierung
Parallel zum Rettungsdienst alarmiert die Leitstelle Mobile Retter in unmittelbarer Nähe des Einsatzortes. So treffen qualifizierte Ersthelfer bereits nach rund vier Minuten beim Patienten ein, um lebensrettende Erstmaßnahmen durchzuführen.

Vorbereitet auf starken bürokratischen Gegenwind, so berichtet Stroop, zog er 2013 mit seiner Idee zur Kreisverwaltung Gütersloh: „Aber die haben gesagt: Super Idee, wir machen das.“ Einer erfolgreichen Pilotphase folgten im Kreis seither über 1.500 Alarmierungen der inzwischen 580 Mobilen Retter. Und die erreichten den Einsatzort im Schnitt in nur vier Minuten, um dort wichtige Erstmaßnahmen bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes einzuleiten. Inzwischen sind die Mobilen Retter deutschlandweit in sechs Regionen im Einsatz, weitere befinden sich im Aufbau. Das Projekt wurde unter anderem von der Bundeskanzlerin im Rahmen des Startsocial-Wettbewerbs ausgezeichnet und ist Gesamtsieger der Google Impact Challenge 2016.

Medizinischer Nutzennachweis in Vorbereitung

Das Konzept der „Mobilen Retter“ zeigt, wie Digitalisierung und zugehörige neue Technologien – in diesem Fall das Smartphone samt GPS-Ortung – bestehende Prozesse optimal ergänzen können. Doch es zeigt auch die Herausforderungen: Um bundesweit skalieren zu können, benötigen die „Mobilen Retter“ erhebliche personelle und finanzielle Ressourcen. Und der Weg dahin führt maßgeblich über die Erbringung eines Wirkungsnachweises – einem für Digital-Health-Anwendungen zentralen Thema, dem wir uns aktuell auch auf analytischer Ebene widmen. Studien, welche den medizinischen Nutzen bis hin zum langfristigen Patienten-Outcome nachweisen sollen, sind vom Team der „Mobilen Retter“ bereits in Vorbereitung.


Mehr zum Projekt: www.mobile-retter.de


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