Handlungsempfehlung #8

Informierte Wahl zwischen traditioneller und digitaler Behandlung ermöglichen – Entscheidungshilfen bereitstellen

Mit zunehmender Digitalisierung entstehen für Patienten immer mehr Möglichkeiten, dezentrale digitale Diagnose- und Behandlungsmethoden zu nutzen. Sie können eine Alternative zu traditionellen Methoden darstellen, die eine Präsenz in der Arztpraxis erfordern: So hält zum Beispiel die Videosprechstunde nach und nach Einzug in die Regelversorgung. Dabei können Patienten bei bestimmten Krankheiten Folgetermine etwa zur Verlaufskontrolle in einem Video-Gespräch bequem von zu Hause aus wahrnehmen. Bei Operationen beispielsweise kann die Anamnese in der Vor- und Nachsorge über digitale Fragebögen erfolgen. Menschen mit psychischen Erkrankungen können in bereits etablierten Beratungs- und Behandlungsprogrammen online mit Therapeuten in Kontakt treten.

Diese digitalen Möglichkeiten passen nicht nur zu unseren modernen Kommunikationsgewohnheiten, sie sind für viele Menschen, etwa in ländlichen Regionen, zunehmend essentiell, um Zugang zur Gesundheitsversorgung zu haben. Deshalb wird der Stellenwert digitaler Technologien in der Versorgung in Zukunft immer stärker steigen und ihr Einsatz zunehmend zum Normalfall werden. Der persönliche Besuch beim Arzt wird dann bei vielen Anlässen die Ausnahme sein, er darf aber nicht zum „Luxusgut“ werden. Er muss weiterhin für alle möglich sein und Patienten sollten immer die Wahlmöglichkeit haben, ob sie digital oder tranditionell bzw. analog behandelt werden wollen.

Diese Wahlentscheidung sollte möglichst informiert stattfinden können. Dazu sollten Ärze und andere Berater im Gespräch mit Patienten auf Entscheidungshilfen zurückgreifen können, die die Vor- und Nachteile der Varianten aufzeigen  – analog zu Entscheidungshilfen, die Patienten schon heute im Sinne einer partizipativen Entscheidungsfindung bei medizinischen Behandlungsalternativen unterstützen. Diese Entscheidungshilfen sollten auf der aktuellen Studienlage bzw. Empirie basieren und die Abwägung möglichst knapp und verständlich aufbereiten. Produziert werden könnten diese etwa durch unabhängige wisschenschaftliche Einrichtungen oder Institutionen wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Die fundierte Information und Aufklärung über digitale Behandlungsmethoden kann nicht zuletzt auch ein bedeutender Hebel sein, um Akzeptanz für den Einsatz von digitalen Technologien in der Versorgung zu schaffen.


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Erklärung

Das Expertennetzwerk „30 unter 40“ begleitet das Projekt „Der digitale Patient“ der Bertelsmann Stiftung. Diese Handlungsempfehlung basiert auf der Idee eines oder mehrerer Experten des Netzwerks. Der Inhalt der Handlungsempfehlung entspricht nicht zwangsläufig der Meinung jedes einzelnen Netzwerk-Experten oder der Bertelsmann Stiftung.

zuletzt aktualisiert am 19.06.2017



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