Handlungsempfehlung #5

Elektronische Patientenakten zu Behandlungsmanagement-Plattformen ausbauen – digitale Prozessinnovationen an einer Stelle bündeln

Einrichtungsübergreifende Elektronische Patientenakten (eEPA) steigern nachgewiesenermaßen die Qualität und Effizienz der Gesundheitsversorgung. Sie sind der zentrale technologische Hebel für mehr Kooperation im Gesundheitswesen und können die Rolle von Patienten deutlich stärken.

Damit sie ihre volle Wirkung entfalten und maximalen gesellschaftlichen Nutzen erzeugen, sollte der Implementierungsprozess in Deutschland von Anfang an darauf angelegt sein, die Akten zu umfassenden Behandlungsmanagement-Plattformen auszubauen. Solche Plattformen wären nicht „nur“ ein interaktiver Speicher- und Verwaltungsort für Daten – sie wären geeignet, die komplette Behandlung eines Patienten zu organisieren. Hier könnten künftig – ob als originäres Angebot eines Aktensystems oder über intelligente Schnittstellen – verschiedenste digitale Prozessinnovationen einer Stelle gebündelt werden. Ärzte könnten hier etwa Konsile anfragen oder Daten aus dem Telemonitoring überwachen. Patienten könnten hier selbst erhobene Daten einspeisen, Termine planen, mit dem Arzt kommunizieren oder Zweitmeinungen anfragen. Zudem wäre es möglich, hier Gesundheitsinformationen und Hilfen für die gemeinsame Entscheidungsfindung von Patienten und Ärzten intelligent und kontextsensitiv einzuspielen.

Bei der Einführung bzw. Definition der Rahmenbedingungen empfiehlt es sich, schrittweise vorzugehen – nach dem Prinzip: Einfaches und Allgemeines zuerst, Differenzierungen später sukzessive. Möglich wäre ein Stufenplan mit drei wesentlichen Schritten:

  1. Etablierung der eEPA als Dokumentenakte
  2. Integration von Medikationsplan, Notfalldaten und Laborwerten
  3. Ausbau als Behandlungsmanagement-Plattform

Der erste Schritt Richtung Dokumentenakte folgt dabei den Vorbildern aus Österreich und der Schweiz. Ziel ist es, möglichst früh einen ersten erlebbaren Nutzen der eEPA zu etablieren und damit die Akzeptanz weiter zu fördern. Der zweite Schritt setzt auf die Vorarbeiten, die in Deutschland in den vergangenen Jahren im Kontext der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) schon geleistet wurden.

Damit die Akte ihre Funktion eines gemeinsamen Instruments von Patienten und Behandlern erfüllen kann, muss der Zugriff für das komplette Behandlungsteam möglich sein, also von Patienten sowie von allen Gesundheitseinrichtungen und Leistungserbringern, die dafür von Patientenseite autorisiert sind. Dabei muss der Zugang für den Patienten von Anfang an mehr sein als ein sogenanntes „Patientenfach“, aus dem er Dokumente abrufen und eigene einstellen kann. Auch das sogenannte „Zwei-Schlüssel-Prinzip“ muss überdacht werden. Denn ein Szenario, bei dem der Patienten und Ärzte nur gemeinsam Daten einsehen können, wird weder dem Versorgungsalltag gerecht, noch fördert es die souveräne Rolle des Patienten.


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Quellen der empirischen Grundlage

  1. Haas, P. Elektronische Patientenakten – Einrichtungsübergreifende Elektronische Patientenakten als Basis für integrierte patientenzentrierte Behandlungsmanagement-Plattformen. Bertelsmann Stiftung. Gütersloh 2017. doi 10.11586/2017018.
  2. Thranberend T, Haas P. SPOTLIGHT Gesundheit – Elektronische Patientenakten. Bertelsmann Stiftung. Gütersloh 2017. ISSN (Online) 2364-5970.

Erklärung

Diese Handlungsempfehlung ist abgeleitet aus den Studien und Analysen des Projekts „Der digitale Patient“. Der Inhalt der Handlungsempfehlung entspricht nicht zwangsläufig der Meinung jedes einzelnen Mitglieds des Expertennetzwerks „30 unter 40“.

zuletzt aktualisiert am 19.06.2017



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