Handlungsempfehlung #18

Forschung für einen hochwertigen Nutzennachweis fördern – Digital-Health-Fonds als spezifisches Förderprogramm aufsetzen

Die Bewertung des Nutzens und der Nachweis der Wirksamkeit von Digital-Health-Anwendungen – so genannten „Gesundheits-Apps“ – in Form von Studien gehören zu den zentralen Voraussetzungen für den Transfer von Innovationen in den Versorgungsalltag. Jedoch gibt es in Deutschland bisher keine Forschungstradition – sowohl auf Seiten der Anbieter als auch Seiten der Wissenschaft. Entsprechend sind Studien mit Primärdatenerhebungen wenig verbreitet. Stattdessen wird der Wirksamkeitsnachweis auf Basis von Sekundärdaten innerhalb einer Literaturrecherche erbracht. Überdies gibt es noch keine konsentierten Vorgaben und Standards, wie der Nutzennachweis für Digital-Health-Medizinprodukte erfolgen soll. In der Folge gelingt es in Deutschland noch nicht, die Potenziale von Digital-Health-Anwendungen auszuschöpfen und diese systematisch für die Versorgung nutzbar zu machen.

Gelöst werden könnte dieses Problem durch gezielte Förderung. Jedoch wird der Nachweis klinischer Evidenz von den meisten etablierten Förderprogrammen nicht unterstützt. Etwa der Innovationsfonds ist zwar auf Evaluation ausgerichtet; Digital-Health-Anwendungen werden davon aber nicht abgedeckt, unter anderem da der Fonds keine produktbezogene Förderung vorsieht.

Die Bundesregierung sollte ein spezifisches Forschungsförderprogramm aufsetzen, das es Anbietern ermöglicht, die Wirksamkeit und den Nutzen ihrer Anwendung systematisch mit Studien zu evaluieren.  Das Förderprogramm könnte die bestehende Bedarfslücke schließen und zugleich die Etablierung einschlägiger Forschungskompetenz in Deutschland unterstützen. Das Programm sollte der agilen Produktionslogik im Feld entsprechen: Die Entwicklung von Digital-Health-Anwendungen erfolgt dynamisch und in kurzen Zyklen. Dies erfordert die Möglichkeit, Fördergelder jederzeit ohne starre Fristen beantragen zu können sowie den Antrag kurzfristig prüfen zu lassen und schnell eine Rückmeldung zu bekommen. Zudem sollte der Aufwand für die Beantragung der Forschungsgelder reduziert werden, etwa durch ein schrittweises Verfahren. Die Förderung sollte geknüpft sein an einen spezifischen neuen Standard für den Wirksamkeitsnachweis und die Nutzenbewertung (siehe Handlungsempfehlung #17). Der Prozess zur Überführung in die Regelversorgung nach der Förderphase sollte klar definiert sein.


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Quellen der empirischen Grundlage

  1. Knöppler K, Koch H, Oschmann L. Transfer von Digital-Health-Anwendungen in den Versorgungsalltag. Teil 2:Bedarfsgerechte Innovations- und Forschungsförderung: Innovationspotenzial, Förderbedarf und Implikationen. Bertelsmann Stiftung. Gütersloh 2017.

Erklärung

Diese Handlungsempfehlung ist abgeleitet aus den Studien und Analysen des Projekts „Der digitale Patient“. Der Inhalt der Handlungsempfehlung entspricht nicht zwangsläufig der Meinung jedes einzelnen Mitglieds des Expertennetzwerks „30 unter 40“.

zuletzt aktualisiert am 27.04.2018



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