Handlungsempfehlung #1

Durchführung einer Kommunikations-Kampagne zur elektronischen Gesundheitskarte (eGK) und zur elektronischen Patientenakte

Die flächendeckende Etablierung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) und der Anwendungen im Kontext der Telematik-Infrastruktur steht und fällt nicht zuletzt mit der Akzeptanz bei Ärzten und Patienten. Das gilt insbesondere für die „Königsdisziplin“ der digitalen Vernetzung: die Einführung von einrichtungsübergreifenden Elektronischen Patientenakten. Denn in Deutschland müssen sich Patienten – anders als in anderen Ländern, etwa in Österreich – aktiv für die Anwendungen entscheiden und der Speicherung von Daten zustimmen („opt-in“).

Doch die Unsicherheit in der Bevölkerung in Bezug auf die eGK wächst und der Informationsstand ist unzureichend: 62 Prozent der Bürger geben an, dass sie sich nicht ausreichend oder nur teilweise über die elektronische Gesundheitskarte informiert fühlen. Und das spiegelt sich auch im Wissen der Bürger zur eGK wider – rund die Hälfte der Deutschen ist nicht in der Lage einzuschätzen, wie die eGK funktionieren soll und wie genau der Zugriff auf gespeicherte Daten vonstattengehen soll. 47 Prozent stimmen der Aussage zu, dass alle medizinischen Daten auf der Karte gespeichert werden – was nicht dem Planungsstand entspricht, denn die Karte ist für die elektronische Patientenakte „nur“ der Authentifizierungs-Schlüssel. Deutlich wird: Eine gezielte Information der Bürger vor allem über den Wertebeitrag und sicherheitsrelevante Aspekte der Anwendungen fehlt bislang.

Eine (nutzenorientierte) Kommunikation in Richtung Ärzte und Bevölkerung sollte daher als strategische Aufgabe definiert und in Form einer Kampagne – im Sinne einer wirkungsorientierten und orchestrierten Kommunikation – durch Experten systematisch geplant und umgesetzt werden. Die Testregionen der eGK böten die Chance, die Wirksamkeit der eingesetzten Kommunikationsmaßnahmen früh zu evaluieren. Die Kampagne sollte langfristig angelegt sein und schon vor der Einführung von einzelnen Anwendungen starten.


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Quellen der empirischen Grundlage

  1. Gottschall S, Mauersberg S, Thranberend T, Vogel KH (2016). Die elektronische Gesundheitskarte – Wissen, Akzeptanz und Erwartungen in der Bevölkerung. In J. Böcken, B. Braun, R. Meierjürgen (Hrsg.), Gesundheitsmonitor 2016. Bürgerorientierung im Gesundheitswesen. Kooperationsprojekt der Bertelsmann Stiftung und der BARMER GEK (S. 113 – 140). Gütersloh: Verlag Bertelsmann Stiftung.
  2. Haas, P. Elektronische Patientenakten – Einrichtungsübergreifende Elektronische Patientenakten als Basis für integrierte patientenzentrierte Behandlungsmanagement-Plattformen. Bertelsmann Stiftung. Gütersloh 2017. doi: 10.11586/2017018.

Erklärung

Diese Handlungsempfehlung ist abgeleitet aus den Studien und Analysen des Projekts „Der digitale Patient“. Der Inhalt der Handlungsempfehlung entspricht nicht zwangsläufig der Meinung jedes einzelnen Mitglieds des Expertennetzwerks „30 unter 40“.

zuletzt aktualisiert am 19.06.2017



Kommentare

  1. / von Elisabeth Laskewitz

    Ein Erklärungsversuch…
    Es gab ja unzählige Informationsseiten mit FAQs usw. zur eGK in den vergangenen Jahren. Ich kann verstehen, dass bei den betroffenen Organisationen und Institutionen im Laufe der Zeit der Elan schwand, über einen Schlüssel zu informieren, zu dem es keine Schlösser gab! Außerdem gab es – unfreiwillig unterstützt von vielleicht etwas übereifrigen Datenschützern – ja immer wieder geschickt lancierte Kampagnen der eGK-Gegner. Dem mit sachorientierten Aufklärungskampagnen zu begegnen, war auch wenig erfolgversprechend.
    Vielleicht bietet die jetzt abgeschlossene Erprobung der Online-Datenaktualisierung ja eine Chance, den Gesamt-Zusammenhang einschließlich der Funktion der eGK verständlich zu kommunizieren.

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