Recommended action #3

Integrate digital communication logic into medical training and continuing education – establish curriculum for “Physician-Patient Digital Communication”

Digitale Technologien beeinflussen wie wir kommunizieren, interagieren und uns informieren. Wir sind es gewohnt, Informationen im Internet jederzeit verfügbar zu haben und Services wie Bankgeschäfte oder Einkaufsmöglichkeiten online zu nutzen. Diese Kommunikationsgewohnheiten wirken sich auch auf den Gesundheitsbereich aus: Immer mehr Patienten suchen vor einem Arztbesuch im Internet nach Gesundheitsinformationen und bringen diese mit in die Sprechstunde. Patienten wollen ihren Arzt aber auch außerhalb des Sprechzimmers kontaktieren können, ohne Fahrtwege und Wartezeiten auf sich zu nehmen und persönlich vorstellig zu werden. Dazu wünschen sie sich beispielsweise Videosprechstunden oder Chat-Möglichkeiten.

Durch diese dezentralen digitalen Möglichkeiten enstehen neue Kommunikationslogiken und die Arzt-Patient-Beziehung verändert sich. Patienten eignen sich immer mehr Wissen eigenständig an und wollen stärker in Entscheidungen einbezogen werden. Ärzte stehen den Veränderungen durch digitale Technologien noch überwiegend zwiegespalten bis skeptisch gegenüber: Sie sehen den Nutzen von digitalen Kommunikationsmöglichkeiten wie etwa Videosprechstunden noch nicht. Nur 30 Prozent der Ärzte könnten sich vorstellen, per Video oder Mail mit ihren Patienten in Kontakt zu treten, lediglich 4 Prozent der niedergelassenen Ärzte setzen Online-Sprechstunden bereits ein. Während 40 Prozent der Ärzte es begrüßen, wenn sich Patienten selbst im Internet informieren, finden 45 Prozent es führte zu unangemessenen Erwartungen und koste Zeit. Viele Ärzte haben nach Ansicht von dazu befragten Experten Befürchtungen, die Arzt-Patienten-Beziehung könnte verarmen oder das Vertrauen der Patienten könnte verloren gehen.

Digitale Entwicklungen und veränderte Erwartungen der Patienten lassen sich jedoch weder aufhalten noch umkehren. Ärzte solltensich auf diese neuen Logiken der Arzt-Patient-Kommunikation einstellen und diese erlernen. Deshalb müssen digitale Kommunikationslogiken in die Aus- und Weiterbildung integriert werden. Es braucht ein Curriuclum „Digitale Arzt-Patient-Kommunikation“ an allen medizinischen Fakultäten und Lerneinheiten, die im Idealfall prüfungsrelevant sind. Dieses Curriculum mit digitalem Fokus sollte integriert sein in übergeordnete Inhalte bzw. lernfelder zum Thema Kommunikation in der Medizin.

Ein Beispiel lässt sich seit Mai 2017 in der Universitätsmedizin Mainz finden. Sie hat vor kurzem mit „Medizin im digitalen Zeitalter“ als erste Fakultät ein spezielles Curriculum für Medizinstudenten eingeführt. Digitale Arzt-Patient-Kommunikation gehört darin ebenso zum Unterrichtsstoff wie Apps und Telemedizin.


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Quellen der empirischen Grundlage

  1. Thranberend T, Hartge F, Fink, C. SPOTLIGHT Gesundheit – Video-Sprechstunden. Bertelsmann Stiftung. Gütersloh 2015. ISBN 2364-5970.

Erklärung

Diese Handlungsempfehlung ist abgeleitet aus den Studien und Analysen des Projekts „Der digitale Patient“. Der Inhalt der Handlungsempfehlung entspricht nicht zwangsläufig der Meinung jedes einzelnen Mitglieds des Expertennetzwerks „30 unter 40“.

zuletzt aktualisiert am 08.02.2018



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